Dr.-Toni-Russ-Preis 2011 für Elmar Stüttler - © VOL.at / Roland Paulitsch Bescheidenheit ist eine Zier: Auf Elmar Stüttler trifft dieser erste Teil eines Sprichwortes wohl vollumfänglich zu. Dass man es ohne sie weiterbringt, wie der Volksmund auch sagt, indes nicht. Der Montafoner brauchte keine Ellbogen, um die Tische für Hilfsbedürftige decken zu können. Tief verwurzelt im Glauben und mit unermüdlichem Einsatz konnte Elmar Stüttler in kürzester Zeit viele für seine Idee begeistern.
Dieses beispielhafte Engagement wurde am Donnerstagabend mit dem Dr. Toni-Russ-Preis und -Ring ausgezeichnet. VN-Herausgeber Eugen A. Russ und VN-Redakteure sowie bisherige Preisträger hatten sich einstimmig für die Vergabe an Elmar Stüttler ausgesprochen. Zusätzlich durfte er einen Scheck über 5000 Euro für seine Hilfsaktion entgegennehmen. Seit mehr als vier Jahrzehnten zeichnen die Vorarlberger Nachrichten Menschen aus, die sich für das Land und andere einsetzen. “Auf diese Weise ist ein sehr eindrucksvoller Reigen von Persönlichkeiten zusammengekommen”, so VN-Herausgeber Eugen A. Russ in seiner Begrüßungsrede. Und er betonte, dass man als Landeszeitung stolz darauf sei, diese Menschen ein Stück begleiten zu können. “Mit der Auszeichnung von Elmar Stüttler wollen wir seinem Lebenswerk Respekt zollen”, betonte Russ und verband damit den “Dank für einen engagierten Weg”.
Der Preisträger selbst stand beinahe verloren auf der großen Bühne. Und fast verlegen das Lächeln, als sich die vielen Festgäste erhoben und ihm stehend Applaus zollten. Umso mehr erstaunte die Redseligkeit, die Elmar Stüttler bei seinen Dankesworten an den Tag legte.
Es falle ihm schwer, die richtigen Worte zu finden, meinte er anfangs, um dann aber doch seine Seele auf der Zunge zu tragen. “Die Verleihung des 42. Toni-Russ-Preises erfüllt mein Herz mit großer Freude”, sagte Elmar Stüttler. Er bezog das jedoch nicht auf sich, sondern auf die Aktion und die 250 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ihn tagtäglich unterstützen. “So will ich die Auszeichnung verstanden wissen”, bekräftigte er.
Viele hätten ihn schon gefragt, warum er das mache, plauderte Elmar Stüttler ein bisschen entspannter weiter. Die einfache Antwort: “Wenn ich nach der Arbeit über meine Begegnungen mit den vielen Menschen nachdenke, kommt mir immer zu Bewusstsein, dass eigentlich auch wir die Beschenkten sind.” Diese Freude sei es, die ihm die Kraft gebe, für andere da zu sein.
Ein anderer Grund, der das Engagement des neuen Russpreisträgers begründet, ist die vorherrschende Unzufriedenheit. “Man kritisiert lieber als etwas zu ändern”, wurde Stüttler deutlich. Gesellschaftskritik ohne Selbstkritik sei jedoch Heuchelei. Erst, wenn man sich selbst ändere, ließen sich auch Strukturen ändern. Und Stüttler plastisch: “Das geteilte Brot schmeckt doppelt gut.”
Leben heißt, so der Russpreisträger, geben und nehmen. Doch manchmal nehme man zu viel. Warum man immer mehr haben will und mehr braucht? Elmar Stüttler versteht es nicht. Aus seinem Verständnis heraus beginnt die Zufriedenheit an der Arbeit, wenn “man etwas für andere tut”. Der nach wie vor als Diakon tätige Montafoner nahm aber auch Gläubige und Kirche ins Gebet. Die Gläubigen rief er auf, als Christen mehr Mut zu zeigen und öfter von Gott zu sprechen. Der Kirche legte er ans Herz, nicht immer nur zum Dialog, sondern ebenso zum Gebet aufzurufen. Die Macht des Gebetes werde unterschätzt. Für Elmar Stüttler indes sind Gebet und Gottvertrauen die wichtigsten Kraftquellen für seine soziale Tätigkeit. Das Ende der Rede widmete er in berührenden Worten seiner Frau Margit. “Ohne sie wäre das alles unvorstellbar.” Und er bat seinen Schatz noch um Geduld, “bis ich mehr Zeit für dich habe”. Dass zudem alle sieben Geschwister bei der Preisverleihung anwesend waren, erfüllte Stüttler mit zusätzlich tiefer Dankbarkeit.
Monika Helfer mit einer berührenden Laudatio für Elmar Stüttler: “Ich kenne Hunger und Elend nur aus der Literatur. Und die guten Menschen ebenfalls.” Monika Helfer bekennt sich in der ihr eigenen Offenheit dazu. “Aber manchmal”, sagt sie auch noch, “geniere ich mich für mein eigenes gutes Leben.” Und sie schließt die Laudatio mit einem “danke Elmar Stüttler, dass Sie uns mit Ihrem Leben und Ihrem Tun das Gute erzählt haben.”
Es sind ebenso schöne wie eindringliche Worte, die Monika Helfer für den Preisträger gefunden hat. Die Schriftstellerin erzählt vom ersten Treffen mit Elmar Stüttler und seinem Wunsch, zuerst die vielen anderen zu erwähnen, “ohne die keine Tische gedeckt werden könnten”. Die Bitte entspringt einem guten Herzen und bringt Helfer zu der Frage: Was ist gut? Ihre Erkenntis: “Es lässt sich ebenso wenig definieren wie das Schöne. Man muss es erzählen.”
Und sie erzählt. Von einem Mann, der Elmar Stüttler heißt. Der organisiert, der bei so einer alltäglichen Tätigkeit wie dem Autofahren ans Beten denkt. Der alle, die für und mit ihm arbeiten, ins Gebet einschließt. Sie erzählt von den Bedürftigen, für die es nicht einfach ist, um Nahrung zu bitten, weil sie sich dann lebensuntüchtig fühlen. Sie erzählt von Firmen, die gerne für Elmar Stüttler geben. Aber auch von solchen, die Lebensmittel lieber wegwerfen. Jene, die geben, sind in der Mehrheit. Zum Glück für Menschen, denen man zuweilen sogar zeigen muss, wie man Feuer macht. “So eine Geschichte”, meint Monika Helfer, “muss geschrieben werden. Wenn sie vergessen wird, wird Menschlichkeit vergessen. Dann können wir einpacken.”
Kurz, aber eindrucksvoll fiel die Würdigung des Preisträgers durch Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber aus. Er stellte klar, dass man mit staatlichem Handeln allein nur ein Stück weit komme. “Es braucht immer auch das gesellschaftliche Engagement und das hat in Vorarlberg ein hohes Niveau”, so Sausgruber. Über 10.000 Menschen sind allein im sozialen Bereich ehrenamtlich tätig.
Elmar Stüttler bezeichnete er als “Mann der Kirche”. In dieser Funktion zeige er eine lebendige und sympathische Seite dieser Institution. Der Landeshauptmann lobte ihn aber auch als kleinen Unternehmer, der Großes bewege und mit unglaublichem Einsatz Begeisterung auslösen könne. Sausgruber: “Und dafür möchte ich Ihnen als Landeshauptmann persönlich danken.”